· 

Malediven mit Kleinkind // Ferien im Robinson Club Noonu

Auf die Malediven fliegen nur frisch verheiratete Pärchen? Quatsch! Die Malediven sind das perfekte Reiseziel für Familien mit kleinen Kindern. Wäre da nur nicht die Umweltverschmutzung.

Als wir beschlossen, im Winter mit unserem Sohn zu verreisen, war klar: Ab an die Wärme! Als Südostasien-Fan wäre ich am liebsten wieder nach Indonesien oder Thailand geflogen, aber mir wurde schnell klar, dass dieser Flug für ein 16 Monate altes Kind doch gar etwas lang ist. Über ein kleines Reisebüro liess ich mir verschiedene Vorschläge machen, in welches Land es gehen könnte. Dass es die Malediven würden, hätte ich nie vermutet. 

 

Die Malediven sind als Honeymoon-Destination bekannt. Dass man dort auch als Familie durchaus tolle Ferien machen kann – speziell mit Kleinkind – liegt aber eigentlich auf der Hand. Was braucht man mit kleinem Kind mehr, als Strand, Wärme, gutes Essen und vor allem: geregelten Ablauf? Das alles bieten die Resorts auf den Malediven. Viele davon sind explizit kinderfreundlich und bieten für ihre kleinen Gäste Kinderbetreuung, Spielsachen, Windeln, Kinderessen und tolles Programm an. So auch unser Hotel, das Robinson Resort Noonu, welches erst im vergangenen Jahr Eröffnung gefeiert hatte. 

 

Anreise

 

Die Flugreise bereitete mir die grössten Kopfschmerzen. Wie beschäftige ich auf engstem Raum ein Kleinkind, dessen Lieblingsbeschäftigung das Rumrennen und Klettern ist? Kleinkinder bis zwei Jahre haben im Flieger noch keinen eigenen Sitz und reisen auf dem Schoss der Eltern. Der Hinflug würde 9 Stunden dauern und in einem Anflug von Panik kaufte ich im Spielzeugladen jede Menge Kleinigkeiten, liess sie als Geschenke verpacken und nahm sie mit ins Handgepäck – für den Fall der Fälle. Auch sonst platzte unser Handgepäck aus allen Nähten. Wenn man Mami wird, ändert sich das Packverhalten ungemein: Ich kam nicht einmal mehr auf die Idee, ein Buch für mich einzupacken. Denn in weiser Voraussicht wusste ich, dass Lesen etwas ist, was man dann tun kann, wenn das Kind in der Kinderbetreuung abgegeben ist. Stattdessen waren zwei grosse Taschen voll mit Windeln, Ersatzkleidern (die alle gebraucht wurden. Kann mir mal jemand erklären, warum Windeln immer dann auslaufen, wenn es am wenigsten passt?), Fläschchen, Milchpulver, einer Kuscheldecke, dem Lieblingskuscheltier, Lätzchen und eben den Geschenken. Alles im Handgepäck versteht sich. 

 

Die Schlange zum Check In stellte unseren Sohn schon auf eine kleine Geduldsprobe, die Sicherheitskontrolle ebenso. Ein Geschenk musste dort schon ausgepackt werden, denn die grüne Knete wies verdächtige Ähnlichkeiten mit Sprengstoff auf. Dann hatten wir es geschafft. Das Boarding begann. Die nette Dame am Schalter hatte und glücklicherweise zwei Sitze gebucht, zwischen denen noch ein freier Sitz übrig geblieben war. So hatten wir im Endeffekt doch unsere drei Sitze – was Gold wert ist, mit kleinem Kind!

 

Der Flug verlief zu meiner Überraschung unproblematisch. Nachdem das Essen serviert worden war, wickelte Till unseren Sohn noch einmal auf der Flugzeugtoilette. Dann schlief dieser zwischen uns ein und erwachte beim Landeanflug. In Male angekommen ging es organisierter zu, als in der Schweiz: Wir wurden von einem Hotelangestellten abgeholt und in eine Wartelounge gebracht, in der es umsonst Essen und Getränke gab. Nach einer knappen Stunde wurden wir von hier mit einem Shuttlebus zum Wasserflugzeug gebracht. Wer mit Kleinkind im Wasserflugzeug unterwegs ist, dem empfehle ich unbedingt einen Gehörschutz mitzunehmen. Unserem Sohn war es nämlich nach einigen Minuten zu viel und er begann erst einmal schrecklich zu Weinen. Nach einer halben Stunde schlief er wieder. Der Flug dauerte Rund 40 Minuten. Dann genossen wir die wunderbare Aussicht auf die Insel, auf der wir nun knappe drei Wochen verbringen würden.

Das Hotel

 

Auf der Insel befindet sich ein Resort und sonst nichts. Ausser der Hotelanlage gibt es lediglich einige Hühner, die wild auf der Insel leben und frei herumlaufen (welche Freude für unser Kind!) und Flughunde, die beeindruckende Manöver fliegen. Die Anlage ist sehr gepflegt und sauber, jeden morgen wird der Hauptweg in Präzisionsarbeit mit dem Rechen bearbeitet, damit kein Blatt da ist, wo es nicht sein soll. 

 

Der Strand ist sauber und wunderbar. Ich habe in meinem Leben noch nie so feinen, sauberen, hellen Sand gesehenen. Das Sandburg-Paradies für die Kleinen! Auch das Wasser ist zumindest rund um die Insel kristallklar. Hin und wieder sieht man einige Hotelangestellten am Strand ihre Runden drehen und allfällige Plastikflaschen aus dem Meer fischen. Optisch ist die Insel also das Paradies! Die Temperaturen des Wassers hätten nicht besser sein können – immer etwa 29 Grad. Mittags war die Lufttemperatur meist deutlich über 30 Grad. Ich hatte mir also umsonst Gedanken gemacht, ob man auch abends nur im T-Shirt herumlaufen könne. 

 

Man braucht wirklich kaum etwas auf die Malediven mitzunehmen und das ist ein grosser Pluspunkt, wenn man mit Kleinkind unterwegs ist: Seit dem Tag unserer Anreise bis zum letzten Tag trugen wir alle keine Schuhe. Meine mitgebrachten Sandalen und FlipFlops blieben im Koffer. Auch im Restaurant muss man keine Schuhe tragen und in allen Bars liegt ohnehin Sand. Man braucht keine Pullover für Abends, sondern kommt mit einigen T-Shirts und Kleidern super aus. 

 

Die Angestellten im Hotel waren unglaublich toll. Vor allem unser Kind schloss schnell Freundschaft mit einem Barkeeper und den Mitarbeiterinnen der Kinderbetreuung. Schon nach einer Woche marschierte unser 16 Monate alter Junge hinter die Bar, nahm seinen Freund bei der Hand, führte ihn zur Popcornmaschine und erklärte in Babysprache, dass man das Ding nun zum Laufen bringen und ihm Popcorn servieren sollte. Die beiden waren ein super Team. 

 

Das Essen

 

Das Essen war top. Mehr gibt es kaum zur Qualität zu sagen. Das Restaurant besteht aus einem grossen Buffet mit Koch-Stationen, an denen frische Gerichte zubereitet werden. Zum Frühstück gibt es alles, was das europäische und asiatische Herz begehrt. Ob Müsli, Käsetoast oder chinesische Reissuppe – es ist für jeden etwas dabei. Auch das Mittag- und Abendessen bietet eine riesige Auswahl an verschiedenen, frischen und gesunden Gerichten. 

 

An einem Abend in der Woche veranstaltet der Club ein Gala Dinner, welches gesetzt stattfindet. Ein 5 Gänge-Menü wird serviert. Das gestaltete sich als grösserer Stress für uns, denn zum einen fand dies erst um 20 Uhr statt. Zu einer Zeit, wo Kleinkinder (zumindest unseres) meistens schon selig schlummern. Andererseits schafft es unser Kind auch nicht, eine eine Stunde stillzusitzen. Wir schafften also meistens gerade mal die ersten zwei Gänge und liessen uns dann den Rest aufs Zimmer kommen. 

Aktivitäten

 

Wir haben uns immer wieder gefragt, ob uns ohne Kind nicht etwas langweilig geworden wäre. Fakt ist: Mit Kind wird es das nicht so schnell! Der Kleine besuchte einige Male die Kinderbetreuung – deren Mitarbeiterinnen wirklich top sind und alle deutsch sprechen. Wir nutzten die Zeit: Einmal gingen wir Tauchen und hatten das Glück, gleich eine grosse Schildkröte zu sehen, die uns in aller Seelenruhe entgegengeschwommen kam. Die Unterwasserwelt auf den Malediven ist beeindruckend! Sonst genossen wir die Zeit zu Zweit am Strand, spielten Schach, unterhielten und uns gingen baden. In der letzten Woche besuchten wir auch den Spa und gönnten uns eine Massage, die unglaublich gut war! Mein Mann meinte, dass er danach gerader gehen konnte. 

 

Umwelt

 

Das Essen ist lecker, allerdings traf mich fast der Schlag, als ich erfuhr, das 80 Prozent der Lebensmittel aus Deutschland per Schiff importiert werden. Ein solches Frachtschiff braucht drei Monate, bis es auf den Malediven ankommt. Dies erfordert vom Hotel nicht nur unglaubliche Vorausplanung, es ist auch schlicht und einfach ein ökologischer Wahnsinn. Die frischen Lebensmittel kommen aus dem näher gelegenen Sri Lanka – per Flugzeug. Der Hotelmanager geht relativ transparent mit der Thematik um und wir nahmen an einer Hotelführung teil, die uns einen Einblick hinter die Kulissen bot. 

 

Zum einen wird alles Wasser – Trinkwasser, Wasser für die Bewässerung der Pflanzen, Spülwasser – hergestellt, indem das Meerwasser entsalzen wird. Zum anderen wird die gesamte Energie des Hotels per Dieselgenerator gewonnen. Täglich verbrennt dieser 3008 Liter Diesel. Das grösste Problem aber ist der Plastik. Der Hotelmanager gibt sich alle Mühe, dass Plastik im Hotel sparsam verbraucht und dort vermieden wird, wo es geht. Trotzdem gibt die Bar 0.3L-Plastikflaschen heraus – eine Flasche pro Glas Sprudelwasser. Der Plastik kommt auf dem Malediven nach Thilafushi – eine künstliche Insel in der Nähe der Hauptstadt, auf der der Müll 24 Stunden am Tag brennt und von Gastarbeitern umgeschichtet und angezündet wird. Die Schadstoffe gelangen dort ungefiltert ins Meer und in die Luft. Für uns war deshalb klar: Wir nehmen all unseren Plastikabfall wieder mit. Leere Shampooflaschen und auch die Flaschen aus der Bar, landen im Koffer für die Rückreise. 

Rückreise

 

Die Heimreise ist etwas, was ich am liebsten verdrängen würde. Die Kurzfassung: Wir waren auf dem Tagesflug die Eltern mit dem andauernd schreienden Kind, das keinen Schlaf fand. Von 10 Stunden Flug weinte der Kleine gut 7. Irgendwann schlief er erschöpft ein.

 

Fazit

 

Wir haben unseren Urlaub im Robinson Club Noonu geliebt. Solange man sein schlechtes Gewissen ausblendet, ist man hier wirklich im Paradies angekommen. Die Anlage ist sauber, die Leute nett, das Essen hervorragend. 

 

Trotzdem werden wir nicht so schnell wiederkommen – einfach, weil wir es ökologisch gesehen nicht vertreten können.

 

Wir werden auch bestimmt keinen Tagesflug mehr buchen, der länger als drei Stunden dauert. Zumindest nicht, bis unser Kind in einem Alter ist, wo es sich selbst beschäftigen kann. Wir planen unsere nächsten Familienferien deshalb etwas unspektakulärer anzugehen und fahren im Sommer nach Frankreich, Italien oder ins geliebte Griechenland. Für die ultimativen Reisedestinationen mit Kids bin ich aber überaus dankbar!