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Yogisch in den Tag // Wie eine Morgenroutine dein Leben besser macht

Wer es schafft, am Morgen etwas zu ändern, der schafft es auch, an seinem Leben etwas zu verändern. Davon bin ich überzeugt. Seit ich mich am Morgen ausrichte, gehe ich stabiler durch den Tag. Hier meine Tipps für einen bewussten Start in den Tag. 

Mittlerweile haben sie einen wichtigen Platz in meiner Morgenroutine: Meine ätherischen Öle (mehr dazu hier), das Meditationskissen (gibt's bei Gorilla Sports) und ein warmes Getränk.

Am Morgen fällt es vielen Menschen sehr schwer, aus den Federn zu kommen. Oft beschränken sich diese Menschen aufs Minimum: Zähneputzen, Katzenwäsche, Kaffee – und dann los. Noch nicht ganz wach, setzt man sich dann in das öffentliche Verkehrsmittel und schwankt schlaftrunken inmitten einer Masse schlaftrunkener Menschen zum Arbeitsplatz. Die Laune schlägt keine Purzelbäume. Wieso auch: Der Tag ist grau. Doch es geht auch anders, davon bin ich mittlerweile absolut überzeugt. Denn: Wie man seinen Tag beginnt, liegt in den eigenen Händen. Und wer mit dem "richtigen" Bein startet, der sieht seine Welt durch eine positivere Brille. 

 

Eine halbe Stunde Freiheit

 

Ich beginne meinen Morgen zwischen 05.00 und 06.00 in der Früh. Ich war schon immer ein Frühaufsteher – allerdings noch nie so verrückt, den Tag vor 06.30 zu beginnen. Doch dann kam das Kind. Nach dem Babyalter entwickelte  mein Sohn ein Muster, zwischen 07.00 und 08.00 aufzuwachen. Wenn ich also noch etwas Zeit für mich haben wollte, musste ich früher aufstehen. Und die Zeit, die ich am Morgen nur für mich habe, ist mir heilig. Aber auch ohne Kind kannst du von der Zeit für dich profitieren: Mache dir bewusst, dass du dir selber eine halbe Stunde Zeit schenken kannst. Eine halbe Stunde, die nicht deinem Arbeitgeber gehört. Nicht deinem Partner. Nicht deinen Verpflichtungen und deinem inneren Druck, Dinge zu leisten. Wenn du dir eine halbe Stunde schenkst, machst du dir ein kostbares Geschenk: Das Geschenk, eine halbe Stunde frei zu sein. Ein toller Nebeneffekt ist, dass du deinem Inneren damit vermittelst, dass du dir das wert bist. Dass du dich lieb hast. 

 

Den Körper mit Flüssigkeit versorgen, die er in der Nacht verloren hat

 

Ich stehe also auf und wanke in die Küche. Dort setze ich heisses Wasser auf. Oder presse mir mithilfe meiner Saftmaschine ein Glass Selleriesaft. Ich liebe den Selleriesaft nach Anthony Willams. Er versorgt den Körper mit Salzen und Wasser, die er nach einer Nacht benötigt. Der Selleriesaft ist pur ziemlich bitter und etwas gewöhnungsbedürftig. Deshalb gebe ich oft noch einen kleinen Apfel und ein Stück Gurke in die Maschine. Ab und zu trinke ich auch ein Glas Kokoswasser, das den Körper optimal von Innen befeuchtet. Grundsätzlich mag ich warme Getränke am Morgen lieber und auch die ayurvedische Lehre sagt, dass warmen Getränken am Morgen den Vorzug gegeben werden sollte. Zwei Gläser warmes Wasser werden auch deinen Stoffwechsel und die Verdauung optimal ankurbeln. Während das Wasser kocht, putze ich mir die Zähne. Mit meinem Saft oder heissen Wasser gehe ich dann ins Wohnzimmer, wo ich zum heissen Wasser einen Tropfen ätherisches Zitronen-Öl hinzugebe. So installiere ich mich auf dem Boden.

 

In Stille versinken

 

Ich mache es mir auf meinem Meditationskissen bequem (habe ich von Gorilla Sports) und beginne mit der Atemwahrnehmung.

 

Atmen. Beobachten. Sein.

 

1. Setze dich dafür bequem und erhöht auf ein Kissen oder eine Decke. Achte darauf, dass deine Wirbelsäule aufgerichtet ist. Der Kopf ist in der Verlängerung deiner Wirbelsäule. 

 

2. Atme ein paar Mal durch den geschlossenen Mund ein und aus. Lasse dann deinen Atem ganz natürlich fliessen und verändere nichts. Beobachte ihn nur. Wie strömt er ein? Wie strömt er aus? Wo spürst du deinen Atem? Spürst du ihn an den Nasenlöchern vorbeiziehen? Spürst du ihn im Hals? In den Lungen? In den Rippen? Im Rücken? Im Bauch? Wie weit fliesst er nach unten? Fliesst er leichter in dich hinein oder in dich hinaus? Beobachte nur, ohne etwas zu bewerten. Versuche auch nicht, deinen Atem weiter nach unten zu bringen. Je mehr du dich entspannst, desto leichter wird er mehr Raum in dir einnehmen. 

 

3. Wenn du deinen Atem einige Minuten beobachtet hast, kannst du ruhig weiteratmen. Beginne nun, deinen Atem zu zählen. "Ein - Eins und Aus - Eins", "Ein - Zwei und Aus - Zwei". Zähle so weiter bis auf Zehn. Wenn du bei Zehn angekommen bist, beginnst du wieder von Vorne. Versuche so etwa zehn Minuten dazusitzen und dich bloss auf deinen Atem zu konzentrieren. Wenn deine Gedanken abdriften und du dich plötzlich dabei ertappst, wie du deinen Tag planst oder dir einfällt, dass du noch Emails beantworten musst, bringst du deinen Verstand ganz einfach wieder zurück zum Atem. Dein Verstand ist wie ein Kind, dass sich vor seinen Hausaufgaben drückt, indem es sich von allem Möglichen ablenken lässt. Also gehe mit ihm um, wie mit diesem Kind: Liebevoll, aber bestimmt. 

 

4. Wenn du magst, kannst du nun deine Aufmerksamkeit vom Atem wegbringen und einfach in dich hineinspüren. Wenn etwas aufkommt – ein Gefühl oder ein Gedanke – dann nimm es wahr und lasse es aber sogleich wieder weiterziehen. So wie die Wolken am Himmel weiterziehen. Sitze so noch einige Minuten und erlaube dir, ganz in die Stille zu versinken. Jetzt musst du nichts. Du bist einfach. 

 

5. Nimm nun wieder ein paar tiefere Atemzüge. Spüre, wie der Atem vom Steissbein aus durch deine Wirbelsäule bis in deinen Schädel und wieder nach unten in die Erde fliesst. Atme so ein paar Runden weiter. 

 

6. Lege nun deine Hände im Anjali-Mudra, also gefaltet, vor dein Herz. Du symbolisierst dadurch die Verbindung vom Verstand mit deinem Herzraum. Du zollst deinem Herzraum Respekt und anerkennst, dass auch im Herzen ein Zentrum der tiefen Weisheit sitzt. Nimm nun einen tiefen Atemzug. Beim Ausatmen singst du "OM".

 

Mein Morgenmantra und das OM

 

Mantras sind eine eigene Welt für sich und sie im Detail zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen. Grundsätzlich solltest du wissen, dass das Universum und alles – dich eingeschlossen - aus Schwingung besteht und ursprünglich aus Klang erschaffen wurde. Klang ist Schwingung. Indem wir Mantras singen, können wir also mittels Schwingung einen Effekt auf alles um uns herum machen. Jedes Mantra hat neben einer inhaltlichen Bedeutung auch einen individuellen Klang, der auch auf der Schwingungsebene spezifisch wirkt. In der Konsequenz bedeutet das auch, dass derjenige, der das Mantra singt, so atmet, wie es das Mantra vorgibt, und daneben spezifisch die Schwingungen aussendet, welche das Mantra innehat. Insofern sind Mantras tatsächlich wie Zaubersprüche. Es sind Laute, die eine Wirkung provozieren.

 

Du kannst das Mantra zusätzlich als Meditationshilfe benutzen. Dazu singst du ein spezifisches Mantra drei, neun, 27 oder 108 Mal. Ich benutze dazu meine "Mala-Kette", also eine Meditationskette, deren Perlen ich zähle, während ich das Mantra wiederhole. Am meisten arbeite ich zurzeit mit dem Gayatri Mantra und dem Adi Shakti Mantra. An dieser Stelle möchte ich dir das Gayatri Mantra vorstellen:

 

Om Bhur Bhuvah Swaha

Tat Savitur Varenyam

Bhargo Devasya Dhimahi

Dhiyo Yo Nah Prachodayat

Das Gayatri Mantra ist eines der wichtigsten und bekanntesten Mantras. Traditionell wird es dann gesungen, wenn die Umwelt "instabil" ist, also wenn die Nacht sich in den Tag wandelt, der Tag in den Nachmittag ändert und der Nachmittag in die Nacht kippt. Das Mantra hilft dabei, die Umwelt in dieser Zeit zu stabilisieren. Auf der persönlichen Ebene erinnert es daran, dass die Sonne (Savitur) auch in uns aufgehen kann und soll: Die Sonne soll unser inneres Bewusstsein erwecken und die Dunkelheit in unserem Inneren vertreiben. Das Gayatri Mantra sorgt so auch in unserem Inneren für Stabilität: Solange wir dem Licht folgen, sind wir sicher. 

 

Sich etwas für den Tag vornehmen

 

Nachdem ich das Mantra gesungen habe ( meistens mache ich neun Wiederholungen), dann schliesse ich meine Routine ab, in dem ich eine Intention setze. Ich überlege mir also in einem weiteren Moment der Stille, was ich mir für den Tag vornehme. Das kann etwas Kleines sein, wie: "Ich nehme heute alles so, wie es kommt und versuche mich gedanklich möglichst im Jetzt aufzuhalten", oder auch "Ich gehe ruhig und voller Selbstvertrauen in das Meeting.". Verankere deine Intention tief in dir und lasse die Kraft dieses Vorsatzes dich über den Tag hindurch leiten. 

 

Dann falte ich meine Hände noch einmal in Anjali Mudra und verneige mich vor dem Universum und dem Höheren. 

 

 

Ich bin mir sicher, dass auch du sehr schnell merkst, dass eine kleine Morgenroutine einen grossen Effekt auf deinen Tag und somit auf dein Leben haben kann. Ich für meinen Teil kann kaum mehr ohne. Happy Day ihr Lieben!

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