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5 Tipps für eine harmonische Schwangerschaft und eine selbstbestimmte Geburt

Ich verrate dir in diesem Text, welche Tipps ich als Doula immer wieder gebe, um Frauen eine möglichst selbstbestimmte Geburtserfahrung zu ermöglichen.

Duu… was? So klingt beinahe jede Antwort auf meine Erklärung, was ich beruflich mache. Ich bin Doula. Ich begleite Frauen durch ihre Schwangerschaft hindurch und bin auch während der Geburt für sie da. Und während dieser wundervollen Arbeit, stehe ich der Frau als eine Art Schwangerschafts- und Geburtscoach zur Seite. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass Frauen nicht wissen, was sie wollen. Sie wollen alles «normal» machen. Also «normal» schwanger sein, «normale» Abklärungen machen, «normal» gebären. All diese «normalen» Faktoren bleiben aber weitgehend unreflektiert. Das ist schade. Denn genau hier liegt die Ursache dafür, dass so viele Frauen nicht gestärkt aus ihrem Geburtserlebnis gehen.  

 

Mich selbst hat eine traumatisch erlebte Geburt zum Beruf der Doula gebracht. Ich wurde bei der Geburt meines Sohnes mit einem Medikament betäubt, dass in keinem Land bei der Geburt zugelassen ist – in der Schweiz aber von Ärzten auf eigene Verantwortung verabreicht wird. Dieses Medikament ist ein starkes Morphium, also in der Wirkungsweise mit Heroin verwandt. Ich habe einen Filmriss von vier Stunden, in denen mein Körper weiter gebar, weiter funktionierte. Mental war ich aber weg. Mein Mann erzählte mir, dass ich ihm etwas von Fischer erzählte, die ihre Anker nicht vergessen dürften und dass er mich immer wieder ans Atmen erinnern musste.       Dieses Erlebnis hat mich dazu gebracht, einen neuen Weg einzuschlagen, um anderen Frauen zu helfen, eine schönere Geburtserfahrung zu machen. Das Schlüsselwort dazu heisst Selbstbestimmung. Denn nur wenn du über deine Wünsche hinsichtlich Geburt bewusst wirst, hast du eine Chance so zu gebären, wie es in Wirklichkeit gut für dich ist.        

 

1. Verstehe deine Angst und löse sie auf    

 

Angst ist der grösste Feind der Geburt. Wenn du Angst hast, schüttet dein Körper Stresshormone aus, die dazu führen, dass der Geburtsprozess verlangsamt wird oder sogar ganz stoppt. Wenn deine Geburtsorgane nicht richtig arbeiten, kommt es zu stärkeren Schmerzen. Aber auch schon während der Schwangerschaft kann die Angst dich um eine wunderbare Zeit bringen, in der es darum geht, dich noch einmal innerlich zu stärken, in deine Kraft zu kommen, mit dem Baby in Beziehung zu gehen und dich mental auf das Geburtsereignis vorzubereiten.   

 

Es gibt viele tolle Techniken zur Angstbewältigung. Wichtig ist einfach, dass du deinen Ängsten auf den Grund gehst. Dass du verstehst, woher sie kommen. Dass du vielleicht alte Traumata aufarbeitest. Dass du als weitgehend neutral in deine Geburt starten kannst. Erst wenn du mental diesen neutralen Zustand erreichst, kannst du auch frei darüber entscheiden, was gut für dich ist, wo du gebären willst, bei wem dich aufgehoben und wohl fühlst.      

 

2. Werde dir deiner Wünsche bewusst    

 

Okay, du hast dich nun also im besten Fall von deinen Ängsten gelöst und bist im Bezug auf die Geburt ein unbeschriebenes Blatt. Dann wir es Zeit, alle Möglichkeiten durchzudenken, die für dich infrage kommen. Bloss: Denken ist nicht immer der beste Weg, um herauszufinden, wie deine Traumgeburt aussehen soll. Ich empfehle meinen Frauen, einige Visualisierungsübungen zu machen und arbeite auch mit Tools aus Hypnose und Meditation. Du versetzt dich dabei in einen Zustand der vollkommenen Entspannung und lässt dann vor deinem inneren Auge Bilder der bevorstehenden Geburt hochkommen, als ob sie just in dem Moment stattfinden würde. Du erlebst vor deinem inneren Auge die Geburt deines Kindes. Du siehst, wo du dich befindest, spürst, wer mit dabei ist, lebst den Moment. Nach dieser Übung kannst du dir notieren, welche Aspekte du gerne bei deiner echten Geburt erleben möchtest. Vielleicht wird dir intuitiv klar, wo du gebären willst. Vielleicht siehst du dein Baby im Vierfüssler-Stand zur Welt kommen. Vielleicht siehst du, dass deine beste Freundin und nicht dein Partner an deiner Seite ist. Höre auf deine innere Stimme.        

 

3. Erstelle deinen Geburtsplan    

 

Ein Geburtsplan ist ein wunderbares Tool, um sich mit der bevorstehenden Geburt mental auseinanderzusetzen. Der Geburtsplan ist ein physischer Plan, der ganz viele Dinge auflistet, die für dich eventuell wichtig sein könnten. Der Plan listet die verschiedenen Geburtspositionen auf, die verschiedenen Arten zur Schmerzmedikation, wen du alles bei deiner Geburt dabeihaben könntest und noch sehr viele andere Dinge, über die sich die meisten Schwangeren noch keine Gedanken gemacht haben. Genau das ist auch die Stärke des Planes: Es geht nicht darum, dass man wie beim Aussuchen im Restaurant einfach ankreuzen kann, was man dann bitteschön während der Geburt haben möchte. Geburten sind nie vorhersehbar. Doch der Plan gibt der Schwangeren einen Anhaltspunkt, über welche Themen sie sich noch Gedanken machen könnte, um sich im Nachhinein nicht übergangen zu fühlen.    

 

Unter Downloads findest du einen solchen Plan, den du dir herunterladen kannst. Aber auch im Internet wirst du mit Sicherheit fündig. Nutze den Plan, um die über die einzelnen Punkte Gedanken zu machen und schreibe dir Punkte, zu denen du noch Fragen hast oder die dir äusserst wichtig zu sein scheinen auf. Mit deinen gesammelten Fragen kannst du dann zur Hebammensprechstunde oder auch zur Spital- oder Geburtshausbesichtigung gehen und durch die Antworten herausfinden, wo der geeignete Ort ist, dein Kind auf die Welt zu bringen.   

4. Engagiere die passende Betreuung    

 

Überlege sir, wen du dir an deiner Seite wünschst. Für viele Frauen ist heute ganz selbstverständlich, dass der werdende Papa oder auch die werdende Co-Mami mit ins Geburtszimmer geht. Einigen Frauen macht es aber schon im Vorfeld Sorgen, wie sich das Dabeisein des werdenden Vaters auf die Partnerschaft auswirken wird. Oder sie fühlen sich einfach schlichtweg unwohl, den Partner dabeizuhaben.    

 

Ich finde es sehr wichtig, dass du jemanden an deiner Seite hast, dem du vertraust und der für dich da ist. Jemand, der dir einen kalten Lappen auf die Stirn legen kann, der dir zu trinken anbietet und der deine Hand hält. Studien beweisen, dass Frauen, die eine Vertrauensperson dabei haben, leichter gebären. Wichtig ist allerdings, dass man sich bei der Vertrauensperson absolut fallen lassen kann. Als Doula sind wir unter anderem auch deshalb bei der Geburt dabei. Wir kennen die Frau gut, sie vertraut uns. Und dennoch haben wir kein so inniges Verhältnis zur Frau, wie sie zu ihrem Mann hat, sodass die Gebärende sich bei einer Doula auch mehr fallen lassen und weniger über ihre Scham nachdenken kann.    

 

Ich habe als Doula schon öfter erlebt, dass eine Gebärende ihre Mama mit dabeihaben wollte. Das ist super und kann sehr unterstützend sein, wenn der Wunsch von der Tochter kommt. Eine Gebärende, die ihre Mama im Kreissaal dabei hat, um ihr einen Gefallen zu machen, kann sich nicht entspannen – im schlimmsten Fall sorgt sie sich noch um ihre Mutter und kann sich nicht auf sich selber konzentrieren. Deshalb: Überlege dir gut, wer dich am optimalsten unterstützen kann. Es muss nicht immer der Ehemann oder die Mama sein. Die beiden solltest du aber unbedingt im Wochenbett zur Unterstützung einplanen – denn Selbstgekochtes von Mama und eine durch den Papa geputzte Wohnung, solltest du nicht missen müssen.      

 

5. Lerne, dich zu entspannen    

 

Entspannung ist unheimlich wichtig für das gute Gelingen einer Geburt. Einerseits schüttest du im entspannten Zustand während der Geburt Hormone aus, die 200 Mal so stark wirken wie Morphium, und andererseits hilft dir Entspannung bei jeglichem Stress, bei Ängsten und schlussendlich auch im Leben als Mama. Spätestens in der Schwangerschaft lege ich es dir ganz besonders ans Herz, dass du lernst, wie du dich aktiv entspannst.    

 

Gerade in der heutigen Zeit ist es nämlich nicht mehr so einfach, sich in einen Zustand der Ruhe zu versetzen, in dem der Körper wieder auftanken, sich heilen und erholen kann. In diesem Zustand ist es plötzlich auch wieder möglich, seine innere Stimme deutlicher wahrzunehmen – seine Intuition zu hören. Gerade diese innere Stimme ist in der Schwangerschaft eigentlich ausgeprägter. Das hat die Natur so eingerichtet, damit die Mama nach der Geburt sofort spürt, was ihr Kind braucht oder wenn ihm etwas fehlt. Leider können nur viele Frauen diese Stimme nicht mehr hören, weil das Gedankenkreisen im Kopf einfach viel zu laut ist. Deshalb: Bringe deinen Kopf zur Ruhe. Lerne, in die Stille zu horchen. Gerade Meditation, Yoga, aber auch Hypnose oder andere Entspannungstechniken können hier enorm helfen.    

 

Nimm dir einmal pro Tag einige Minuten Zeit, in denen du dich hinsetzt, die Augen schliesst und einfach mal deinen Atem beobachtest. Wenn Gedanken kommen, lässt du sie wie Wolken weiterziehen und kehrst mit deiner Aufmerksamkeit zurück zu deinem Atem. Nach einigen Minuten kannst du dir vorstellen, wie sich ein goldener Faden von deinem Herzen zu deinem Baby spinnt. Mit dem Einatmen fliesst goldenes Licht aus deinem Herz zu deinem Baby und mit dem Ausatmen fliesst das Licht zurück in dein Herz. Atme so einige Minuten pro Tag und du wirst feststellen, dass du immer schneller in einen Zustand innerlicher Ruhe kommst. Einen Zustand, der heilsam für dich ist, der deine Bindung zum Kind stärkt, dich gelassener auf die Geburt zugehen lässt und während der Geburt dein Anker sein kann, sodass du ganz bei dir bleiben und selbstbestimmt gebären kannst.   

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