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Mit Kleinkind in Griechenland // Urlaub in der wilden Mani (Teil 1)

Eine Woche haben wir mit unserem zweijährigen Sohnemann auf dem mittleren Finger des Peloponnes verbracht und die raue Landschaft lieben gelernt. Hier verrate ich unsere besten Mani-Tipps.

Die Mani gilt als eine der rausten und wildesten Regionen Griechenlands – nicht der aller feuchteste Traum einer Familie mit Kleinkind, die sich nichts anderes wünscht, als etwas auszuspannen. Und doch, Spoiler, hat uns der Urlaub wahnsinnig gut gefallen. Wo es das leckerste Essen, die tollsten, kleinkindtauglichsten Strände und sogar einen Spielplatz gibt, verrate ich euch hier.

 

Anreise:

 

 

Der Flughafen Kalamata liegt kilometertechnisch nicht allzu weit entfernt. Von Zürich fliegen die Flieger einmal pro Woche (Achtung! Nur im Sommer!) diesen kleinen Flughafen an. Auch von Wien und München wird er direkt angeflogen. Danach sollte man sich ein Mietauto schnappen. Das wissen allerdings auch die allermeisten Touristen, die in Kalamata aussteigen. Deshalb unbedingt etwas Zeit (und vielleicht ein Überraschungs-Spielzeug oder sonst etwas zum Beschäftigen des Kindes) einplanen. Bis die vielen Rentner abgefertigt waren, die mit uns zusammen gelandet waren, dauerte es gut zwei Stunden, bis wir von der Hitze halb erschlagen im klimatisierten Mietauto sassen und realisierten, dass wir vergessen hatten, das Navi mitzubuchen. Gschächnütschlimmers, heutzutage kosten die Natelverträge ja nicht mehr alle Welt. Google Maps half uns also, unser Ferienhaus zu erreichen. 

 

Unterkunft:

 

Auf der Mani gibt es viele Wohnungen und ganze Häuser, die man über verschiedene Portale mieten kann. Es lohnt sich wirklich, etwas herumzuschauen. Wir fanden ein kleines Häuschen zwischen Kardamili und Stoupa. Das Haus war für uns perfekt, es bestand aus zwei Schlafzimmern, einer Essküche und einem kleinen Bad. Das Beste aber waren die Katzen, die sich jeden Tag zu uns gesellten und unserem Sohn Quietscher der Entzückung entlockten. Wir genossen es, unser eigenes Daheim zu haben, am Morgen schnell zum Bäcker zu fahren und auch mal nackt hinter dem Haus das Salzwasser abzuduschen. Apropos Salzwasser; das Beste war doch wohl eher der Privatstrand, den man über eine steile Treppe erreichte. Hier geht's zu unserer Unterkunft.

Baden an unserem "Privatstrand". Natürlich so, wie Gott uns erschaffen hat.
Baden an unserem "Privatstrand". Natürlich so, wie Gott uns erschaffen hat.

Essen:

 

Schon als Kind hat mich das Vorurteil, das griechisches Essen schlecht sei, fast schon persönlich verletzt. Wer schon einmal in in einer Taverne gegessen hat, in der es keine Karten, wohl aber eine alte griechische Oma gibt, die in ihre Küche führt und den Gast in den Kochtopf linsen lässt, der weiss, dass die Griechen für Götter kochen. Die verwendeten Zutaten sind oft  einfach – aber gerade in dieser Einfachheit liegt ihre Qualität. Wahnsinniger Geschmack. Sonnengereifte Tomaten. Öl zum niederknien. Und was soll ich sagen; auf der Mani findet man noch sehr viele solche Lokale, in denen die Köche mit Herz ihre Spezialitäten zaubern. Auch für Kinder gibt es eine riesige Auswahl an Speisen, die auch heiklen Essern schmecken. 

 

Stoupa:

  • Stoupa Restaurant: In diesem wunderschön gelegenen Restaurant mit dem weniger kreativen Namen ist man einen Auberginen-Dip, der zum niederknien ist. Ich hätte mich nahezu ausschliesslich davon ernährt. Aber auch die Schmorgerichte (Ziege probieren!) und die verschiedenen Vorspeisen (Sardinen! Käse!) Hier geht's zum Restaurant.
  • To Steki; Hier gibt es vor allem Snacks, gpnstigere Mittagessen und Frühstück. Die Karte ist gross und man sucht sich das Passende aus Pfannkuchen, Gyros, Salaten und Sandwichs aus. Das Essen schmeckt top und ist relativ günstig. Für alle die auch auf der Suche nach Lesefutter sind, gibt es hier eine grosse Auswahl an gebrauchten Bücher, die zum Tausch mitgenommen werden können. Hier geht's zum To Steki.

 

Pigi:

 

  • Stathi's Taverne: Das Dorf Pigi wirkt wie aus einer anderen Welt. Es liegt am Fusse des Taygetos-Gebirge, etwa 5 Kilometer von der Küste entfernt und bietet eine atemberaubende Aussicht auf die Umgebung. Das Auto muss am Dorfrand stehen gelassen werden, da die Gässchen so schmal sind, dass man nur zu Fuss zu Stathi's Taverne gehen kann. Man geht einfach einmal ganz durchs Dorf hindurch und an der Kirche vorbei und schon ist man da. Bei Stathi's kommt jemand an den Tisch und erzählt, was es heute gibt. Man sucht sich eine Hauptspeise aus. Danach wird ein riesiges Tablett mit vielen Vorspeisen an den Tisch gebracht, von dem man sich die Tellerchen, die man probieren möchte, einfach herunternimmt. Wir waren sehr begeistert von der Auswahl und dem Geschmack. Hier geht's zu Stathi's Taverne.

 

Limeni:

 

  • Takis To Limeni: Ein Auflug zu der Tropfsteinhöhle Pyrgos Dirou brachte uns in dieses wunderschöne Dörfchen. Und in dieses Fischrestaurant, das wir total ambivalent verliessen. Vorneweg: Das Essen ist der Hammer. Wer Fisch mag, ist hier im Himmel. Der Fisch wird fangfrisch gebraten, frittiert oder gedünstet, dazu gibt es kleine Vorspeisen und Beilagen. Die Lage könnte auch kaum besser sein, ausser man ist mit einem abenteuerlustigen Kleinkind unterwegs. Man trohnt hier nämlich auf einer Terrasse einen Meter über dem Meer – ein Geländer fehlt. Für Erwachsene super – super Aussicht, super Feeling – aber für Kleinkinder? Da wird das Restaurant zur potentiellen Todesfalle. Man kann die Kids nicht von ihren Stühlen lassen oder ist damit beschäftigt, sie an der Hand an den Tischen und den gestressten Kellnern vorbeizulotsen. Was mich zum nächsten Punkt bringt: Der Service ist eine einzige Katastrophe. Der Gast ist hier kein König, sondern eine Zumutung, die das Personal zu erdulden hat. Man wird ignoriert, angeschnauzt, vergessen. Nicht das, was man als Familie mit einem Kleinkind brauchen kann. So wurde die absurde Zeitspanne, die wir aufs Essen warteten zur Höllenqual. Pluspunkt: Direkt vor der Terrasse schwamm eine riesige Caretta Caretta Schildkröte. Alles in allem keine Empfehlung trotz des teuflisch guten Essens. Zumindest nicht für Familien mit Zeitdruck. 

 

Baden in Stoupa. Der Hausstrand ist besonders für Kleinkinder ideal. Sandstrand, flach abfallend, warm.
Baden in Stoupa. Der Hausstrand ist besonders für Kleinkinder ideal. Sandstrand, flach abfallend, warm.

Baden:

 

  • Stoupa: Der Hausstrand ist toll. Überall gibt es Liegestühle inkl. Sonnenschirme zum Mieten. Ich empfehle, vom Land aus gesehen zum äussersten rechten Anbieter zu gehen. Dort hat man mehr Privatsphäre und mehr Platz, dazu einen ganz idyllischen Blick. 
  • Kalogrias Beach bei Stoupa: Auch ganz toll für Familien mit kleinen Kindern, allerdings oft sehr voll. Der Sand ist fein und es gibt einen Getränkeservice. 
  • Foneas Beach: Ein wunderschöner Strand, allerdings nicht ideal für Kleinkinder. Der Steinstrand liegt schön eingebettet in einer Bucht, ein kleines Café versorgt einen mit dem Nötigsten. Allerdings fällt das Wasser schnell steil ab. Für Familien mit grösseren Kindern aber ein Traum! Besonders für diejenigen, die es nicht mögen, wenn der Sand an den Füssen klebt. 
  • Unser Privatstrand: Wer dieselbe Unterkunft bucht, die wir gemietet hatten, kommt auf die Kosten eines wunderbaren Privatstrandes, an den es nur ganz selten andere Leute verschlägt. Und wer das Nacktbaden genau so sehr liebt, wie ich, wird dieses Privileg zu schätzen wissen. Einzig der Weg zum Strand ist ganz schön in die Jahre gekommen und fast schon verfallen. Man sollte also eher mit guten Schuhen, statt mit Flip Flops zum Strand hinunter gehen und kleine Kinder tragen. 

Unternehmen:

 

Wer Elternteil ist, der weiss, dass es utopisch ist, mit Kleinkindern viel zu unternehmen. Ausser am Strand Sandburgen zu bauen, das Vertrauen von Katzen zu gewinnen versuchen (Und man wisse: Das ist ein Projekt, das seine Zeit braucht!) oder Oliven zusammenzusammeln und in den Spiellaster zu laden, haben wir nur einmal einen Ausflug unternommen. Der hat sich aber gelohnt.

 

  • Die Höhle Vlychada Diros: Die Tropfsteinhöhle ist einer der grössten Griechenlands. Das Beste: Man erkundet sie hauptsächlich im Boot, was schon ein grosses Happening für die Kleinsten ist. Durch enge Kanäle bringt einen der Bootsführer etwa 3 Kilometer tief durch die Höhle. Man verliert schon zu Beginn die Orientierung und hofft, dass der Mann, der das Boot steuert, auch wirklich eine Ahnung davon hat, was er tut. Irgendwann – mitten in einer wundersamen Welt der Stalaktiten und Stalagmiten – ufert das Boot an einem Steg von dem aus man die letzten paar Hundert Meter zu Fuss gehen kann. Kiddo war begeistert.

Tipps für erschöpfte Eltern:

 

Im Vorfeld hatte ich etwas Angst vor dem selbstorganisierten Urlaub mit dem Sohnemann. Bisher waren wir nur in Hotels untergekommen, in denen man unser Zimmer machte und auch kindergerechtes Essen servierte. Meine Sehnsucht nach Griechenland und zwar dem echten Griechenland war aber so gross, dass wir es wagten. Hier verrate ich euch, was unseren Urlaub angenehm gemacht hat.

 

  • Nach Griechenland!! Ich kann es jeder Familie von Herzen empfehlen nach Griechenland zu reisen, weil die Griechen einfach verdammt! kinderfreundlich sind. Da können sich die Schweizer echt eine Scheibe abschneiden. Es gibt in den meisten Restaurants mittlerweile Kindersitze. Aber auch dort, wo es keine gibt, heisst man die Kleinen herzlich willkommen. In Griechenland werden die Kinder automatisch mitgedacht. Und so wurden unserem Sohn dort Trauben geschenkt, an einem anderen Ort, zwei! Eis am Stiel. 
  • Beschäftigung im Flugzeug: Denkt an genügend Dinge, mit denen eure Kleinkinder spielen können. Mir hat da die Liste von Anyworkingmom sehr geholfen! 
  • Gescheiter Kinderwagen: Wir haben netterweise den neuen Buggy "Travel" von Joie testen dürfen. Und zum Reisen ist er ideal! Er ist enorm leicht und lässt sich innert zwei Sekunden (wirklich wahr!) zusammenfalten, sodass er in jedes noch so kleine Mietauto passt. Pluspunkt: Man kann die Lehne ganz nach unten klappen, so dass Kiddo schlafen kann, wenn Mama und Papa sich etwas in der Zeit vertun und erst spät Abends den Heimweg antreten. 
  • Ipad: Ui, habe ich mich schwer getan mit der Anschaffung eines Ipads. Aber was soll ich sagen – es war unser Lebensretter. Wenn es ab und an wirklich nicht mehr ging und Kiddo ausflippte, (weil müde, weil hungrig, weil zu lange Autofahrt), konnten wir ihn noch kurz ablenken. Grosse Empfehlung: Die "Sendung mit dem Elefanten"-App. 
  • Auszeit an der Costa Navarino: Wer Lust hat, noch etwas auszuspannen vor der Heimreise, sollte sich noch ein paar Übernachtungen im Westin Costa Navarino gönnen. Das Hotel liegt etwa eine Stunde nördlich vom Flughafen Kalamata, ist der einzige Luxus und ist voll auf Kinder ausgerichtet. Wasserpark, Kinderbetreuung!, Kinderessen – was das Herz begehrt. Vorsicht ist nur bei den Katzen des Resorts geboten – die sind ziemlich aggressiv und beissen. (Ich spreche da aus Erfahrung!). Für Yoga-Begeisterte: Nehmt eure eigene Matte mit; die des Resorts sind schlechter als die billigsten Campingmatten. Ach ja und: Die Preise im Resort sind wie in Zürich, also saftig. Aber was Mama und Papa für ein Stündchen Zweisamkeit nicht alles springen lassen...
Der Buggy Travel von joie hat uns begleitet – und ersetzt nun auch seit der Heimkehr den alten, grossen Kinderwagen.
Der Buggy Travel von joie hat uns begleitet – und ersetzt nun auch seit der Heimkehr den alten, grossen Kinderwagen.

Was wir nach diesem Urlaub wissen: Wir kommen wieder Griechenland. Wahrscheinlich alle Jahre!

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